Wolldecke waschen: So bleibt Lammwolle weich und in Form

Erst lüften, dann waschen: Wollprogramm, 30 °C, Wollwaschmittel ohne Enzyme, kein Weichspüler, nie in den Trockner. Dazu, was gegen Fusseln, Flecken und Motten hilft.

Von Stephan Uhlenbusch
3 Min. Lesezeit

Gefaltete Wolldecke, Bürste, Leinenbeutel, Zedernholz und Lavendel auf Travertin

Eine Anleitung für gewebte Wolldecken aus Lammwolle und Schurwolle: Waschmaschine oder Hand, welches Waschmittel, wie trocknen, was gegen Fusseln, Gerüche und Motten hilft. Nicht für Fleece, nicht für Kaschmir, nicht für gefilzte Decken.

Eine Wolldecke muss seltener gewaschen werden, als die meisten denken, und verträgt die Waschmaschine besser, als die meisten befürchten. Wolle nimmt Gerüche kaum an, weil die Faser von Natur aus mit Wollfett überzogen ist. Zwei Nächte an der frischen Luft ersetzen in den meisten Fällen einen Waschgang. Wenn es doch sein muss, entscheiden drei Dinge über das Ergebnis: Temperatur, Bewegung und Trocknung.

Erst lüften, dann waschen

Wolle ist selbstreinigend, solange das Wollfett auf der Faser bleibt. Eine Decke, die nach Kamin, Küche oder Hund riecht, hängen Sie über Nacht auf den Balkon oder an ein offenes Fenster. Feuchte Luft hilft dabei mehr als trockene, weil die Faser Feuchtigkeit aufnimmt und den Geruch mit abgibt. Erst wenn Lüften nicht reicht oder ein Fleck drin ist, kommt die Decke in die Maschine.

Jeder Waschgang wäscht etwas Wollfett aus. Das ist kein Grund, nie zu waschen, aber ein Grund, es nicht monatlich zu tun. Ein bis zwei Wäschen im Jahr reichen bei normalem Gebrauch.

In der Waschmaschine: Wollprogramm, 30 °C, kein Weichspüler

Gewebte Wolldecken wie die Klippan Wolldecken sind für die Maschinenwäsche freigegeben. Die Regeln sind einfach, aber jede einzelne ist wichtig.

  • Programm: Wollprogramm oder Handwäsche-Programm. Beide bewegen die Trommel langsam und selten. Bewegung ist der Grund, warum Wolle filzt, nicht die Temperatur allein.
  • Temperatur: 30 °C, nie mehr. Und nicht kalt nachspülen, wenn die Hauptwäsche warm war: Der Temperatursprung lässt die Faser filzen.
  • Waschmittel: Wollwaschmittel, flüssig, ohne Enzyme. Vollwaschmittel enthält Proteasen, die Wolle angreifen, weil Wolle ein Eiweiß ist.
  • Weichspüler: keiner. Er legt sich als Film auf die Faser und macht die Decke stumpf statt weich.
  • Schleudern: maximal 600 Umdrehungen, besser 400. Die Decke kommt nass und schwer aus der Trommel, das ist normal.

Die Decke allein waschen, ohne andere Wäsche. Reißverschlüsse und Knöpfe anderer Teile reiben am Gewebe und ziehen Fäden.

Von Hand: lauwarm, nicht reiben, nicht wringen

Wer keine Maschine mit Wollprogramm hat, wäscht in der Badewanne. Lauwarmes Wasser, ein Schuss Wollwaschmittel, die Decke zehn Minuten liegen lassen, dann sanft drücken. Nicht reiben, nicht wringen, nicht kneten. Zweimal mit Wasser derselben Temperatur nachspülen. Zum Schluss die Decke in ein großes Handtuch rollen und das Wasser herausdrücken.

Trocknen: flach, im Schatten, nie im Trockner

Der Trockner ist der häufigste Grund für eine ruinierte Wolldecke. Hitze und Bewegung zusammen filzen die Faser in einem einzigen Durchgang. Stattdessen: die Decke flach auf einen Wäscheständer legen, in Form ziehen, im Schatten oder drinnen trocknen lassen. Auf der Leine hängend wird sie am Aufhängepunkt länger, weil nasse Wolle schwer ist. Wer keine Fläche hat, legt sie doppelt über zwei Stangen und dreht sie nach einigen Stunden. Direkte Sonne bleicht die Farbe aus, vor allem bei Rot und Orange.

Fusseln, Pilling, Fransen

Eine neue Wolldecke fusselt in den ersten Wochen. Das sind lose Fasern, die beim Weben nicht eingebunden wurden, kein Materialfehler. Nach dem ersten Waschgang ist der Großteil weg. Pilling, also kleine Knötchen, entsteht durch Reibung an Kleidung und Sofa. Ein Wollkamm oder ein Fusselrasierer auf niedrigster Stufe entfernt sie, ohne das Gewebe zu beschädigen. Verdrehte Fransen nach dem Waschen ziehen Sie nass gerade und lassen sie so trocknen.

Flecken: sofort, kalt, mit Geduld

Flüssiges sofort mit einem Tuch abtupfen, nicht reiben. Rotwein und Kaffee mit kaltem Wasser ausspülen, nie mit warmem, weil Wärme Eiweiß und Gerbstoffe in der Faser fixiert. Fett mit etwas Wollwaschmittel direkt auf den Fleck, zehn Minuten einwirken lassen, dann die ganze Decke waschen. Fleckenentferner mit Sauerstoffbleiche sind für Wolle nicht geeignet.

Motten: saubere Wolle in Baumwolle

Kleidermotten legen ihre Eier in Wolle, die nach Haut, Schweiß oder Essen riecht. Eine gewaschene Decke ist für sie uninteressant. Über den Sommer gehört die Decke deshalb gewaschen oder gründlich gelüftet in einen Baumwollbeutel oder einen Kissenbezug, nicht in Plastik. Zedernholz oder Lavendel im Schrank halten die Falter fern, töten aber keine Larven. Wer Löcher findet, wäscht alles aus dem Schrank und friert die betroffene Decke für eine Woche ein.

Gut zu wissen: Eine gefilzte Decke lässt sich nicht zurückverwandeln. Wolle filzt, weil die Schuppen der Faser sich bei Wärme und Bewegung ineinander verhaken. Dieser Vorgang ist nicht umkehrbar. Deshalb gilt bei Wolle: Im Zweifel kälter, langsamer, kürzer.



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