Welche Wolldecke kratzt nicht? Lammwolle, Schurwolle, Merino und Gotlandwolle im Vergleich

Ob Wolle kratzt, entscheidet die Faserdicke in Mikrometern, nicht der Name auf dem Etikett. Was Schurwolle, Lammwolle, Merino und Gotlandwolle unterscheidet und was das für Wolldecken bedeutet.

By Stephan Uhlenbusch
3 min read

Rohes Vlies, feines Wollgewebe und gesponnenes Garn nebeneinander auf Travertin

Warum Wolle kratzt, welche Wollarten es weniger tun und was das für die Wahl einer Wolldecke bedeutet. Keine Kaufberatung für Pullover, keine Aussage zu Allergien, keine Pflegeanleitung.

Ob Wolle kratzt, hängt fast nur von der Dicke der einzelnen Faser ab, nicht von der Wollart und nicht von der Verarbeitung. Die Haut meldet Fasern, die dicker sind als etwa 30 Mikrometer, als Stechen. Feinere Fasern biegen sich weg, bevor der Nerv reagiert. Jede Wollsorte ist eine Mischung aus feinen und groben Fasern. Entscheidend ist, wie viele grobe darin sind.

Die Zahl, die zählt: Mikrometer

Ein Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter. Menschliches Haar liegt bei 50 bis 100 Mikrometer. Merinowolle liegt meist unter 24, feine Lammwolle zwischen 25 und 30, grobe Schurwolle und Wolle alter Landrassen darüber. Diese Werte sind Durchschnitte. Ein Vlies mit einem Durchschnitt von 27 Mikrometer enthält immer auch Fasern von 35, und genau diese wenigen spüren Sie. Deshalb kann eine Decke aus derselben Wollart kratzen oder nicht, je nach Charge.

Schurwolle, Lammwolle, Merino, Gotland: was die Begriffe bedeuten

  • Schurwolle ist Wolle vom lebenden Schaf, im Gegensatz zu Reißwolle aus recycelten Textilien. Der Begriff sagt nichts über die Feinheit. Schurwolle kann fein oder grob sein.
  • Lammwolle ist die erste Schur eines Schafs, jünger als sechs Monate. Die Faser ist feiner als bei späteren Schuren desselben Tiers, weil sie noch nicht ausgewachsen ist. Lammwolle ist ebenfalls Schurwolle, nur eine bestimmte.
  • Merinowolle stammt vom Merinoschaf, einer Rasse, die auf feine Faser gezüchtet wurde. Sie kratzt am wenigsten, ist aber auch am wenigsten robust und wird für Decken selten verwendet, weil sie schneller pillt.
  • Gotlandwolle stammt vom Gotlandschaf, einer alten schwedischen Rasse. Die Faser ist lang, glänzend, silbergrau und deutlich gröber als Lammwolle. Sie gibt einem Gewebe Stand und Glanz, aber auch Griff.

Was die Verarbeitung ändert, und was nicht

Kämmen entfernt kurze und grobe Fasern vor dem Spinnen. Ein gekämmtes Garn kratzt weniger als ein nur kardiertes aus derselben Wolle. Bürsten nach dem Weben hebt die Faserenden an und macht die Oberfläche flauschig, aber nicht feiner. Weichspüler legt einen Film auf die Faser, der beim ersten Waschen wieder verschwindet. Keines dieser Verfahren macht aus einer 32-Mikrometer-Faser eine 22-Mikrometer-Faser. Wer eine Decke für nackte Haut sucht, muss bei der Wolle ansetzen, nicht bei der Ausrüstung.

Wie sich das bei Klippan verteilt

Klippan Yllefabrik webt seine Decken in zwei Qualitäten. Die reinen Lammwolldecken Knut, Ralph, Velvet, Chevron, Stella, Harald und Curve bestehen zu 100 Prozent aus Lammwolle aus Neuseeland. Sie liegen weicher auf der Haut, sind aber keine Merinodecken: Ein leichter Griff bleibt. Die Wolldecke Gotland und Gotland Stripe enthalten ein Viertel Gotlandwolle und kratzen deshalb spürbar mehr. Das ist gewollt: Die Gotlandwolle macht die Decke dicker und langlebiger.

Innerhalb der Lammwolldecken gibt es keinen belegbaren Unterschied im Griff. Was Sie als Unterschied spüren, ist die Bindung: Das Fischgrät von Chevron fühlt sich strukturierter an als die glatte Fläche von Ralph, ohne mehr zu kratzen.

Wann eine Wolldecke die falsche Wahl ist

Wer eine Decke direkt auf nackter Haut tragen will, etwa als Schlafdecke, ist mit Wolle selten glücklich, auch mit feiner. Dafür gibt es Baumwolle und Kaschmir. Wolle ist die richtige Wahl über der Kleidung, am Fußende, auf dem Sofa, auf der Terrasse. Dort spielt sie ihre Stärken aus: Sie wärmt auch feucht, nimmt Gerüche kaum an und hält Jahrzehnte.

Gut zu wissen: Eine neue Wolldecke kratzt in den ersten Wochen mehr als später. Lose Fasern aus dem Webprozess stehen ab und stechen. Nach dem ersten Waschgang im Wollprogramm sind sie weg, und die Decke fühlt sich merklich ruhiger an. Wer nach dem ersten Abend urteilt, urteilt zu früh.



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