Sind Sardinen aus der Dose gesund? Nährwerte, Omega-3 und Quecksilber im Überblick

Ob ein Lebensmittel gesund ist, dürfen wir nicht behaupten – wir zeigen, was drinsteckt: Omega-3, Eiweiß, Calcium, Vitamin D, die zugelassenen EU-Aussagen dazu, und was Quecksilber, Salz und Purine bedeuten.

By Stephan Uhlenbusch
6 min read

Geöffnete Sardinendose neben einer Schale mit Sardinen, Zitronenhälfte, Olivenöl in einer kleinen Karaffe und Vollkornbrot auf Travertin

Die Frage wird uns oft gestellt, und die ehrliche Antwort beginnt mit einem Vorbehalt: Ob ein Lebensmittel „gesund" ist, dürfen wir als Händler nicht behaupten. Die europäische Health-Claims-Verordnung verbietet solche Aussagen – aus gutem Grund, denn kein einzelnes Lebensmittel macht gesund. Was wir tun können: zeigen, was in einer Sardinendose steckt, welche Aussagen die EU dazu wissenschaftlich geprüft und zugelassen hat, und wo Sie hinsehen sollten. Die Zahlen sprechen dann für sich.

Was in 100 Gramm Ölsardinen steckt

Die Werte gelten für Sardinen in Olivenöl, abgetropft, und stammen aus der Nährwertdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA FoodData Central). Je nach Fanggebiet, Saison und Hersteller schwanken sie – Jahrgangssardinen etwa sind deutlich fetter als Frühjahrsfische.

Nährstoff pro 100 g Anteil am Referenzwert*
Energie ca. 210 kcal 10 %
Eiweiß ca. 25 g 50 %
Fett gesamt ca. 11 g 16 %
davon Omega-3 (EPA + DHA) ca. 1,0–1,5 g 4–6 Tagesportionen à 250 mg
Calcium (mit Gräten) ca. 380 mg 48 %
Vitamin D ca. 5 µg 100 %
Vitamin B12 ca. 9 µg 360 %
Selen ca. 50 µg 90 %
Eisen ca. 3 mg 21 %
Salz ca. 0,8–1,3 g 13–22 %

*Referenzmengen für die tägliche Zufuhr nach EU-Lebensmittelinformationsverordnung (Erwachsene). Eine Dose enthält 90 bis 125 g Sardinen.

Damit erfüllen Ölsardinen die Bedingungen für mehrere nährwertbezogene Angaben, wie sie die EU definiert: Sie sind eine Quelle für Omega-3-Fettsäuren (die Schwelle liegt bei 80 mg EPA + DHA pro 100 g – Sardinen liegen beim Zehnfachen und mehr), reich an Eiweiß, eine Calciumquelle, reich an Vitamin D, Vitamin B12 und Selen.

Was die EU dazu sagen lässt – die zugelassenen Aussagen

Gesundheitsbezogene Aussagen zu Lebensmitteln müssen in der EU wissenschaftlich geprüft und in eine Liste aufgenommen sein (Verordnung 432/2012). Für die Nährstoffe, die in Sardinen in nennenswerter Menge stecken, sind unter anderem diese Formulierungen zugelassen:

EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg EPA und DHA ein – das entspricht etwa einem Viertel einer Dose Ölsardinen.

DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion und normaler Sehkraft bei. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg DHA ein.

Calcium wird für die Erhaltung normaler Knochen und Zähne benötigt.

Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems und zur Erhaltung normaler Knochen bei.

Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.

Eiweiß trägt zur Erhaltung von Muskelmasse bei.

Selen trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.

Diese Aussagen gelten im Rahmen einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise.

Mehr sagen wir nicht, und mehr muss man auch nicht sagen. Wer die Liste liest, versteht, warum Ernährungsgesellschaften ein bis zwei Portionen fetten Seefisch pro Woche empfehlen – und warum die Sardine dabei regelmäßig genannt wird.

Quecksilber: Warum die kleine Sardine hier im Vorteil ist

Die berechtigte Sorge bei Seefisch heißt Methylquecksilber. Es reichert sich entlang der Nahrungskette an: Je größer und älter ein Raubfisch, desto mehr trägt er in sich. Die Sardine ist das Gegenteil eines Raubfischs – klein, kurzlebig, ernährt sich von Plankton. In den Messreihen der US-Lebensmittelbehörde FDA liegt Sardine mit rund 0,01 ppm Quecksilber am unteren Ende der Skala; heller Dosenthunfisch liegt beim Zehnfachen, Weißer Thun (Albacore) beim Dreißigfachen, Schwertfisch und Hai um das Hundertfache. Innerhalb der Fischkonserven ist die Sardine damit die Wahl mit der geringsten Belastung – und in den Verzehrempfehlungen von FDA und Bundesinstitut für Risikobewertung für Schwangere und Kinder steht die Sardine bei den Arten mit der geringsten Belastung.

Salz, Purine, Öl: Worauf Sie achten sollten

Salz. Ölsardinen liegen bei rund einem Gramm Salz pro 100 g; Sardinen in Tomatensauce, mit Senf oder in Marinade oft deutlich darüber. Wer auf den Blutdruck achten muss, greift zu Sardinen in Olivenöl oder im eigenen Saft und liest die Nährwerttabelle auf der Dose.

Purine. Sardinen gehören mit Anchovis und Hering zu den purinreichsten Fischen. Bei Gicht oder erhöhten Harnsäurewerten gilt der Rat der Ernährungsberatung: selten und in kleinen Mengen, oder ganz verzichten.

Das Öl. Olivenöl bringt eigene einfach ungesättigte Fettsäuren mit, Sonnenblumenöl vor allem Omega-6. Wer das Öl aus der Dose mitisst, isst die Kalorien mit – abgetropft sind es rund 210 kcal pro 100 g, mit Öl deutlich mehr. Dafür schmeckt das Öl aus einer guten Dose so gut, dass es als Dressing besser aufgehoben ist als im Ausguss.

Die Dose. Fischkonserven sind innen beschichtet. Bisphenol A (BPA) darf in der EU seit Anfang 2025 nicht mehr für Lebensmittelkontaktmaterialien verwendet werden (Verordnung 2024/3190, mit Übergangsfristen bis 2026); Konservendosen werden seither mit BPA-freien Lacken beschichtet.

Sardinen im Vergleich mit anderen Fischkonserven

pro 100 g, abgetropft Sardinen in Öl Thunfisch in Öl Makrele in Öl
EPA + DHA ca. 1,0–1,5 g ca. 0,2–0,3 g ca. 1,5–2,5 g
Calcium ca. 380 mg ca. 10 mg ca. 240 mg
Vitamin D ca. 5 µg ca. 1–2 µg ca. 6–8 µg
Quecksilber (FDA-Mittelwert) ca. 0,01 ppm ca. 0,13 ppm (hell) / 0,35 ppm (Albacore) ca. 0,05 ppm (Atlantik)

Der Unterschied beim Calcium erklärt sich durch die Gräten: Bei Sardinen werden sie mitgegessen, beim Thunfischfilet nicht. Die Makrele ist beim Omega-3 die Sardine mit noch mehr Fett – und ebenfalls ein kleiner, kurzlebiger Fisch.

Frisch oder aus der Dose?

Beim Konservieren gehen die Nährstoffe, um die es hier geht, kaum verloren: Omega-3-Fettsäuren, Eiweiß, Mineralstoffe und die fettlöslichen Vitamine überstehen das Erhitzen und die Lagerung weitgehend. Beim Calcium ist die Dose sogar im Vorteil, weil die Gräten durch die Sterilisierung weich werden und mitgegessen werden können – beim frischen Fisch bleiben sie auf dem Teller. Was die Dose kostet, sind Vitamin B1 und ein Teil des Vitamin B6, die hitzeempfindlich sind.

Was das für den Alltag heißt

Eine Dose Ölsardinen liefert so viel EPA und DHA, wie die zugelassenen Aussagen für vier bis sechs Tage voraussetzen, dazu die Hälfte des Tagesbedarfs an Calcium und ein Mehrfaches an Vitamin D und B12. Sie hält Jahre, kostet ein paar Euro und braucht keine Zubereitung. Wer die Sardine ein- bis zweimal die Woche auf den Tisch bringt – auf Brot, im Salat, in der Pasta – bekommt das mit wenig Aufwand. Welche Dosen sich lohnen, lesen Sie im Ratgeber Die besten Sardinen in der Dose; Rezepte finden Sie unter Sardinen aus der Dose zubereiten. Die Auswahl selbst: Sardinen von zwölf Conserverien.

Häufige Fragen

Sind Sardinen aus der Dose ungesund?

Für gesunde Erwachsene spricht nichts gegen regelmäßigen Verzehr. Zu beachten sind der Salzgehalt bei Sardinen in Sauce, der hohe Puringehalt bei Gicht und die Kalorien des Öls. Die Quecksilberbelastung ist bei Sardinen so gering wie bei kaum einem anderen Seefisch.

Wie viel Omega-3 steckt in einer Dose Sardinen?

Eine Dose mit 90 bis 125 g abgetropften Ölsardinen enthält etwa 1 bis 1,8 g EPA und DHA. Die zugelassene Aussage zur normalen Herzfunktion setzt 250 mg EPA und DHA pro Tag voraus.

Kann man Sardinen aus der Dose jeden Tag essen?

Aus Sicht der Schadstoffbelastung ja – Sardinen liegen beim Quecksilber am unteren Ende. Ernährungsgesellschaften empfehlen ein bis zwei Portionen Seefisch pro Woche im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung; bei Gicht oder salzarmer Kost gelten Einschränkungen.

Muss man die Gräten mitessen?

Nein, aber es lohnt sich: Die weichen Gräten liefern den größten Teil des Calciums. Wer sie nicht mag, wählt entgrätete Sardinen ohne Haut und Gräten.

Sind Sardinen in Olivenöl oder in Wasser besser?

Sardinen im eigenen Saft haben weniger Kalorien und meist weniger Salz. Sardinen in Olivenöl schmecken besser, reifen in der Dose und bringen die Fettsäuren des Olivenöls mit. Die Omega-3-Fettsäuren stecken in beiden Fällen im Fisch selbst.

Wie viel Quecksilber enthalten Sardinen?

Nach FDA-Messungen im Mittel rund 0,01 ppm – etwa ein Zehntel von hellem Dosenthunfisch und ein Dreißigstel von Weißem Thun. Sardinen gehören damit zu den am geringsten belasteten Seefischen.



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